25. Hachenburger Dialog zum Thema „Entscheidungsfinding im SSM – ein Blick in den Maschinenraum“
Seit der Einführung des Single Supervisory Mechanism (SSM) werden die bedeutenden Finanzinstitute von gemeinsamen Aufsichtsteams unter Leitung der EZB überwacht. Der SSM soll dafür sorgen, dass in der Bankenaufsicht „höchste, von nicht-aufsichtsrechtlichen Überlegungen unbeeinflusste Standards Anwendung finden“. Dementsprechend stellt die EZB auch die überkommene Verwaltungspraxis der nationalen Behörden in Frage. Rüdiger Gebhard ist Experte für Bankenregulierung bei der BaFin und veranschaulicht den Prozess der Entscheidungsfindung auf nationaler und internationaler Ebene aus dem Bereich der Wertpapieraufsicht.
Wenn eine Kapitalverwaltungsgesellschaft einen Kredit für Rechnung eines Investmentfonds aufnimmt, gilt sie selbst oder aber der Fonds als Schuldner?
, so lautete die Fragestellung von Gebhard in seinem Vortrag. Er nimmt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit auf eine Reise durch die verschlungenen Interaktionenzwischen der deutschen Aufsicht, EZB, EBA und der EU-Kommission sowie mit Instituten und Verbänden hin zur Entscheidung gegenüber dem Institut. Er zeigt das Spannungsfeld zwischen verschiedenen Zielen wie Gefahren für die Finanzstabilität einzudämmen, die Institute nicht unnötig zu „gängeln“ und überhaupt zu einer Entscheidung zu kommen. Gebhard zufolge sei es eine Geschichte von Konflikten, Kompromissen und klarer Kante
.
Mit seinen umfangreichen Erfahrungen im Bereich der Banken-, Versicherungs- und Wertpapieraufsicht sowie der Regulierungspraxis konnte Gebhard seine Zuhörer in den Bann ziehen. Seine berufliche Karriere startete er nach seiner Promotion im Jahr 1996 bei einem der Vorläufer der heutigen BaFin als Prüfer. In Arbeitsgruppen des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht leistete der Beiträge zu den Standards für Eigenmittelanforderungen für das Kreditrisiko (auf internen Ratings basierender Ansatz (IRBA)) für das Marktrisiko (Fundamental Review of the Trading Book (FRTB). Heute ist Gebhard als Prüfer in der Wertpapieraufsicht tätig.
Nach dem Vortrag stellten die Studierenden zahlreiche Fragen an den Referenten. Die Diskussion ging im Anschluss während eines lockeren Get-together im Kaminzimmer der Hochschule weiter. Insgesamt nahmen rund 35 Studierende sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bundesbank an der Veranstaltung teil, die von Christoph Schmidhammer, Professor an der Hochschule der Deutschen Bundesbank, moderiert wurde. Die Teilnehmenden waren begeistert von den vielseitigen und spannenden Inhalten des Vortrags.